Der öffentliche Dienst zählt zu den größten Arbeitgebern Deutschlands. Bei einer durchschnittlichen Krankheitsquote von 5,7 Prozent – übrigens über dem Branchendurchschnitt – bedeutet das für Personalabteilungen: Tausende Krankmeldungen müssen täglich verarbeitet werden.
Ein Prozess, der simpel klingt, aber enormen Verwaltungsaufwand verursacht. Die gute Nachricht: Dieser Prozess lässt sich weitgehend automatisieren – mit Open-Source-Technologie und lokaler KI.
Das Problem: Sieben Minuten pro Dokument
Der typische Ablauf bei der Verarbeitung einer Krankmeldung:
- Krankmeldung öffnen und lesen
- Vollständigkeit prüfen: Name, Zeitraum, Arzt vorhanden?
- HR-System öffnen
- Mitarbeiter suchen
- Art der Meldung eingeben (Erstmeldung oder Verlängerung?)
- Bei Erstmeldung: Neuen Vorgang anlegen
- Bei Verlängerung: Bestehenden Vorgang aktualisieren
- Dokument archivieren
- Nächster Vorgang…
Durchschnittliche Bearbeitungszeit: 7 Minuten pro Krankmeldung.
Die Rechnung für eine mittlere Behörde
| Kennzahl | Berechnung |
|---|---|
| Beschäftigte | 5.000 |
| Krankenstand (5,7%) | ~285 Meldungen/Tag |
| Zeit pro Meldung | 7 Minuten |
| Gesamtzeit täglich | 33 Stunden |
| Zeitaufwand jährlich | ~8.000 Stunden |
Bei einem kalkulatorischen Stundensatz von 35 Euro (inkl. Arbeitgeberanteil) entspricht das Personalkosten von über 280.000 Euro jährlich – nur für die Übertragung von Krankmeldungen ins System.
Die Lösung: KI liest, prüft und überträgt automatisch
Moderne Automatisierungslösungen können diesen Prozess auf einen Bruchteil des Aufwands reduzieren. Der Ablauf:
Schritt 1: Dokumentenanalyse
Die Krankmeldung geht ein – als Scan, PDF oder Foto. Ein KI-System analysiert das Dokument, erkennt die relevanten Felder und extrahiert automatisch:
- Name und Personalnummer
- Zeitraum der Arbeitsunfähigkeit
- Art der Meldung (Erst- oder Folgebescheinigung)
- Ausstellende Praxis
Schritt 2: Intelligente Klassifizierung
Das System erkennt selbstständig, ob es sich um eine Erstmeldung oder Verlängerung handelt. Je nach Typ werden unterschiedliche Workflows ausgelöst.
Schritt 3: Automatische Datenübertragung
Die extrahierten Daten werden direkt ins HR-System übertragen – sei es SAP, DATEV oder eine andere Lösung. Der Software-Roboter navigiert durch die Eingabemasken, genau wie ein Mensch es tun würde. Nur schneller und ohne Tippfehler.
Schritt 4: Archivierung und Protokollierung
Das Originaldokument wird automatisch im korrekten Ordner abgelegt. Jeder Verarbeitungsschritt wird protokolliert – vollständige Nachvollziehbarkeit für Prüfungen und Audits.
Schritt 5: Ausnahmebehandlung
Nur wenn das System unsicher ist – bei unleserlicher Schrift, fehlenden Daten oder ungewöhnlichen Konstellationen – erfolgt eine manuelle Prüfung. Erfahrungsgemäß betrifft das etwa 15% der Fälle.
Das Ergebnis: Von 7 Minuten auf 1 Minute
| Kennzahl | Vorher | Nachher |
|---|---|---|
| Zeit pro Krankmeldung | 7 Minuten | 1 Minute |
| Automatisierungsgrad | 0% | 85% |
| Fehlerquote Datenübertragung | 3-5% | < 0,5% |
| Jährliche Ersparnis | – | ~7.000 Stunden |
Der eigentliche Gewinn geht über die Zeitersparnis hinaus: Mitarbeitende in der Personalabteilung können sich auf wertschöpfende Aufgaben konzentrieren – Personalentwicklung, Recruiting, Mitarbeitergespräche statt repetitiver Dateneingabe.
Warum Open Source und lokale KI?
Kommerzielle RPA-Plattformen bieten ähnliche Funktionen – allerdings mit erheblichen Nachteilen:
Das Problem proprietärer Lösungen
- Hohe Lizenzkosten: Große RPA-Anbieter rechnen pro Bot und Nutzer ab. Bei umfangreicheren Installationen schnell sechsstellige Jahreskosten.
- Vendor Lock-in: Einmal implementiert, ist der Wechsel aufwändig und teuer.
- Cloud-Abhängigkeit: Viele Features setzen Cloud-Dienste voraus – mit Datenfluss in die USA.
Der Open-Source-Ansatz
n8n als Automatisierungsplattform
n8n ist eine Open-Source-Workflow-Engine. Keine Lizenzkosten, voller Zugriff auf den Quellcode, Betrieb auf eigenen Servern oder bei einem deutschen Hosting-Anbieter.
Lokale KI-Modelle für die Dokumentenanalyse
Für die Texterkennung und Datenextraktion kommen selbst gehostete Sprachmodelle zum Einsatz – etwa Mistral oder Llama. Die Verarbeitung erfolgt vollständig auf Ihrer Infrastruktur:
- Kein Dokument verlässt Ihre Server
- Keine API-Calls an OpenAI, Google oder Microsoft
- Keine laufenden Token-Kosten
DSGVO-Konformität by Design
Krankmeldungen enthalten sensible Gesundheitsdaten – besonders schützenswerte Informationen nach DSGVO. Mit einer selbst gehosteten Lösung:
- Keine Datenübertragung an Dritte
- Volle Kontrolle über Speicherung und Löschfristen
- Lückenloser Audit-Trail für jede Verarbeitung
Voraussetzungen für die Umsetzung
Technische Anforderungen
- Zugang zum HR-System (über API oder UI-Automatisierung)
- Server für n8n und das KI-Modell (kann ein virtueller Server sein)
- Definierter Eingangskanal für Krankmeldungen (E-Mail-Postfach, Scan-Ordner oder Upload-Portal)
Organisatorische Anforderungen
- Dokumentierter Prozess: Welche Schritte, welche Ausnahmen?
- Abstimmung mit IT-Sicherheit und Datenschutzbeauftragten
- Testphase mit realen (anonymisierten) Dokumenten
Typischer Projektverlauf
| Phase | Zeitraum | Inhalt |
|---|---|---|
| Analyse | Woche 1-2 | Prozessaufnahme, Anforderungsdefinition |
| Entwicklung | Woche 3-4 | Workflow-Entwicklung, KI-Training |
| Test | Woche 5-6 | Pilotbetrieb mit Echtdaten, Feintuning |
| Rollout | Ab Woche 7 | Produktivbetrieb, Monitoring |
Das Potenzial nutzen: Erste Schritte
Die Automatisierung von Krankmeldungen ist ein idealer Einstieg in die Prozessautomatisierung:
- Überschaubarer Scope: Ein klar definierter, repetitiver Prozess
- Schneller ROI: Die Investition amortisiert sich oft binnen weniger Monate
- Geringes Risiko: Im Parallelbetrieb testbar, jederzeit abschaltbar
- Multiplikatoreffekt: Die gewonnenen Erfahrungen lassen sich auf weitere Prozesse übertragen
Denn die Krankmeldung ist nur der Anfang. Die gleiche Technologie automatisiert auch:
- Urlaubsanträge
- Reisekostenabrechnungen
- Bescheinigungen und Formulare
- Eingangsrechnungen
Jeder dieser Prozesse folgt dem gleichen Prinzip: Dokument analysieren, Daten extrahieren, in Zielsystem übertragen, archivieren.
Fazit: Ein Quick Win mit strategischer Bedeutung
Die Automatisierung von Krankmeldungen löst ein konkretes, alltägliches Problem. Die Technologie ist erprobt, der Prozess klar strukturiert, der Return on Investment schnell messbar.
Gleichzeitig ist es ein Einstieg in die digitale Souveränität: Mit Open Source und lokaler KI behalten Verwaltungen die volle Kontrolle – über ihre Daten, ihre Kosten und die Weiterentwicklung ihrer Systeme.
Sie möchten wissen, ob die Automatisierung von Krankmeldungen auch in Ihrer Organisation umsetzbar ist? Vereinbaren Sie ein unverbindliches Erstgespräch – wir analysieren Ihren Prozess und zeigen Ihnen die Möglichkeiten.